Designer Strategist Educator – Transformation for the pluriverse

Besser Scheitern

Type: Fachseminar Hauptstudium, A joint compact seminar by Peter Bexte, Peter Stephan, Georg Trogemann
Time: 2 sessions, 4. Dezember 14.00 Uhr – 5. Dezember 16.00, 22. Januar 14.00 Uhr – 23. Januar 16.00 Uhr
Location: Kunsthochschule für Medien Köln, Lab3, Filzengraben 8-10, 50676 Köln

Niemand scheitert gern. Wer jedoch experimentell arbeitet, muss sich genau darauf einlassen können. Was nicht scheitern kann, ist nämlich gar kein Experiment. Was aber heißt das fürs künstlerische Arbeiten? Kann man erfolgreich scheitern? Samuel Beckett hat das Stichwort dazu gegeben: „Try again. Fail again. Fail better.“ Die Worte von 1983 (aus Worstward Ho) haben in jüngerer Zeit Karriere gemacht: Der Tennisprofi Stanislas Wawrinka hat sie sich auf den Unterarm tätowiert; man hat den ewigen Verlierer Donald Duck damit beschrieben; und selbst der Chef von Google, Eric Schmidt, hat sich darauf berufen. Wenn das von Beckett proklamierte Scheitern also auf Centre Courts, in Entenhausen wie in Silicon Valley zum Thema wird, so wollen wir es auch für die KHM diskutieren. Welche Rolle spielt das Scheitern in künstlerischen Experimenten? (Peter Bexte)

Von Abbrechen bis Verfehlen: Scheitern ist vielfältiger und komplexer als das singuläre Gelingen. Beim künstlerischen Lob des Scheiterns aber geht es weniger um den alltäglichen, privaten und trivialen Reinfall, als vielmehr um das heroische, öffentliche und exemplarische Scheitern. Dies sollte einer Leistungsgesellschaft widersprechen, die auf Zieleinlösung ausgerichtet ist. Heute jedoch scheinen die Rollen vertauscht: Unternehmen verordnen sich – zumindest rhetorisch – eine Kultur des Scheiterns, um ihre Innovationsfähigkeit zu verbessern, während Künstler ihre Karrieren planen wie Manager, Sportler und andere Leistungsträger. Daher sollen die Verhältnisse von Planung und Risiko, Professionalisierung und Dilettantismus betrachtet werden. Leitend ist die These, dass sich am Scheitern die Konstruktionen von sozialen Systemen zeigen. (Peter Stephan)

Das Scheitern kennt viele Formen. Nicht nur Menschen, auch Schiffe und Staaten können scheitern. Komplexität und Kopplung sind die Schlüsselbegriffe zur Analyse des Scheiterns technischer Systeme. Es gilt die Faustregel: je komplexer und dabei starrer das System und die Interaktionen seiner Bestandteile sind, desto häufiger kommt es zu unvorhergesehenen Störungen. Beim Versagen technischer Systeme ist es immer noch üblich, die Ursachen in technisches und menschliches Versagen einzuteilen und dabei zu unterschätzen, dass technische Systeme immer auch soziale Gebilde sind, die von Organisationen und darin kommunizierenden Menschen entworfen, installiert und betrieben werden. Es ist aber prinzipiell unmöglich, alle Konstellationen, die in komplexen Systemen auftreten können, im Voraus zu durchdenken oder wenn sie auftreten, sie spontan zu verstehen. Denn Scheitern kennt viele Formen. (Georg Trogemann)